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VERBESSERUNG DER WELTERNÄHRUNG DURCH VOLLWERTIG PFLANZLICHE KOST

Hattest Du schon mal richtig großen Hunger? Damit ist nicht der Hunger gemeint, wenn das Mittagessen wegen einer Besprechung ausfallen musste. Es geht um Hunger, der Dich schwach macht, zittern lässt und Dich dazu bringt, an nichts anderes als an Essen zu denken. Beim Fasten kommen die meisten Leute ungefähr am dritten Tag an einen Punkt, wo sie aufgeben möchten, weil das Verlangen nach einer Mahlzeit einfach zu übermächtig wird. Wenn Du selbst einmal gefastet hast, könntest Du also eine Ahnung haben, wie Hunger sich wirklich anfühlt. Doch ist der Hunger in der Welt nicht freiwillig und selbst auferlegt. Er hat ganz vielschichtige Ursachen. Einige davon, die im Zusammenhang mit dem Konsum tierischer Produkte stehen, stellen wir Dir in diesem Artikel vor.

PROBLEMATIK WELTHUNGER

Weltweit haben über 800 Millionen Menschen täglich dieses überwältigende und quälende Gefühl, das sich Hunger nennt. Unterernährung ist nicht nur eine Zahl in einer Statistik. Sie ist kein bloßes Magenknurren. Sie ist eine gravierende Verringerung der Lebensqualität mit einem drastisch erhöhten Risiko, zu erkranken und zu sterben. Tatsächlich stirbt auf diesem unseren reichen Planeten jede Sekunde ein Mensch an den Auswirkungen der Unterernährung. Das sind im Jahr um die 30 Millionen Menschen. Wenn Du hierzulande durch die Supermärkte läufst, ist das schwer vorstellbar. Besorgniserregend ist darüber hinaus der Fakt, dass die Welternährung in den letzten drei Jahrzehnten kontinuierlich besser geworden ist, seit 2015 die Zahl der Hungernden aber erneut zunimmt.

Bei Kindern in Entwicklungsländern ist Unterernährung die häufigste Todesursache! Über die Hälfte der Kinder, die in diesen Ländern viel zu früh aus dem Leben scheiden, bekamen zu Lebzeiten nicht genug zu essen. Von Jean Ziegler, dem ehemaligen UN-Sonderbeauftragten für das Recht auf Nahrung, stammt das bekannte Zitat: „Jedes Kind, das heute verhungert, wird ermordet.“ Hier von Mord zu sprechen, mag etwas drastisch erscheinen. Dennoch ist es so, dass die Lust der privilegierten Menschen auf Fleisch und tierische Produkte die direkte Ursache für den Hungertod der meisten Kinder und Erwachsenen in den ärmeren Ländern auf diesem Planeten darstellt. Nur wer sich für eine vegane Ernährung entscheidet, muss sich diesen Schuh nicht anziehen. Warum dem so ist, werden wir Dir gleich erläutern.

Wirklich grotesk ist die Tatsache, dass weltweit gut zwei Milliarden Menschen an Übergewicht leiden. Inzwischen haben sich deren Todeszahlen denen der Unterernährten angenähert: Es sterben jährlich in etwa so viele Menschen an den Folgen von Übergewicht wie an Unterernährung! Aus diesem Blickwinkel kann eine vollwertig pflanzliche Ernährung doppelt so viele Menschenleben retten. Denn unter Veganern sind Adipositas und deren Folgeerkrankungen kaum zu finden. So liegt der durchschnittliche Body Mass Index von Fleischessern bei 28, während der Durchschnitt bei Personen, die eine vegane Ernährung praktizieren, bei 22,5 liegt. Wie unnötig Hunger und Unterernährung sind, zeigt sich in zwei Trends der letzten 50 Jahre: So hat sich die Weltbevölkerung in diesem Zeitraum gut verdoppelt, während sich der Bedarf an Nahrungsmitteln verdreifacht hat.

Im Rahmen einer groß angelegten Studie kommt die EAT-Lancet Commission zu dem Schluss, dass einzig eine sofortige und radikale Umstellung unserer Essgewohnheiten in Richtung vollwertig pflanzliche Ernährung Basis dafür ist, auch in Zukunft alle Menschen auf diesem Planeten ausreichend und gesund ernähren zu können. Sie spricht in diesem Zusammenhang zwar nicht explizit die vegane Ernährung als Lösung an, doch ist der Schluss nahezu derselbe: Einzig ein extrem reduzierter Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten kann dafür sorgen, dass wir im Jahre 2050 mit einer gesunden Menschengemeinschaft auf einer intakten Erde leben. In diesem Sinne ist eine vegane Ernährung der goldene Weg zum Schutz der Umwelt und zur Sicherstellung der Welternährung.

WARUM DIE INDUSTRIELLE VIEHZUCHT ZU HUNGER FÜHRT

Weltweit werden Unmengen an Getreide, Mais und Soja angebaut, um die Nutztiere in unseren Ställen zu füttern. Der Appetit auf Fleisch wird immer größer. Alleine in 2017 wurden weltweit 120 Millionen Tonnen Schweinefleisch, 122 Millionen Tonnen Geflügelfleisch, 70 Millionen Tonnen Rindfleisch und 21 Millionen Tonnen weiterer Fleischsorten produziert. Kannst Du Dir einen Berg vorstellen, der aus 120 Millionen Tonnen Schweinefleisch besteht? Das ist schon ein gigantischer Kadaverhaufen! Doch es bleibt nicht dabei. Im Jahr 2018 wurden zum Beispiel mehr als doppelt so viele Hühner gehalten wie noch 1990. Dasselbe gilt für Enten. Weiterhin standen 2018 in den Ställen dieser Erde 15 % mehr Rinder und Schweine sowie 77 % mehr Ziegen als 27 Jahre zuvor. Der Trend ist unübersehbar. Die vegane Ernährung gewinnt hingegen nur langsam an Popularität.

Das ist umso trauriger, als täglich zwischen 6000 und 43000 Kinder an Hunger sterben müssen. Zugleich werden ungefähr die Hälfte der Getreideernte weltweit, 40 % der gefangenen Fische und fast die gesamte Sojaernte an Nutztiere verfüttert. Warum bei solch einem Input der Output nicht ausreicht, um die Welternährung sicherzustellen, liegt an der unsäglichen Ineffizienz der Produktion von Fleisch, Eiern und Milchprodukten. So müssen im Schnitt sieben Kilogramm Nahrungsmittel verfüttert werden, um ein Kilogramm Fleisch zu erhalten. In Extremfällen steigt das Verhältnis auf 1:16.Dieser sogenannte „Veredelungsverlust“ spiegelt sich ebenso deutlich in den Kalorien wider: Von 100 kcal aus Futtermitteln für Nutztiere bleiben nur 17 bis 30 kcal zum Verzehr für den Menschen übrig. Manche Statistiken sprechen von einem Wirkungsgrad von nur 12 %. Dieser Energieverlust in der Produktion ist leicht nachzuvollziehen. Auch Kühe, Hühner und Schweine müssen Knochen aufbauen, ihre Organe wachsen lassen sowie mit Nährstoffen versorgen und am Ende unverdauliche Reste ausscheiden.

Hier kommt ein Beispiel zur Auswirkung der Produktion von tierischen Produkten auf die Welternährung: In den USA leben aktuell ca. 328 Millionen Menschen. Würde das Land seine Landwirtschaft jetzt komplett auf eine vegane Ernährung umstellen, sprich die Haltung von Nutztieren gänzlich abschaffen, könnte es eine Milliarde Menschen mehr satt machen. Die Tiere der Reichen fressen sprichwörtlich das Essen der Armen dieser Welt auf.

Nebenbei bemerkt lohnt sich der Anbau von Futtermitteln weder für die Landwirte in den USA noch in Europa in finanzieller Hinsicht. Nur dank umfassender Subventionen kann die Versorgung der Nutztiere überhaupt sichergestellt werden. Das bedeutet, dass am Ende jeder Steuerzahler in diesen Ländern für die Produktion tierischer Produkte einen Beitrag leistet – selbst wenn er für sich eine vollwertig pflanzliche Ernährung vorzieht.

Darüber hinaus zerstört die intensive Landwirtschaft die Ackerböden nachhaltig. Pflügen, Monokulturen, Pestizide und Düngemittel machen dem wertvollen Humus den Garaus. Auf lange Sicht bleiben ausgelaugte Äcker zurück, die bald weder Tiere noch Menschen ernähren können. Würde ein Großteil der Menschen auf eine vollwertig pflanzliche Ernährung umsteigen, könnte die Landwirtschaft weniger intensiv betrieben werden und es würden mehr Flächen zur Erholung brachliegen. Künftiger Unterernährung wäre auf diese Weise effizient vorzubeugen.

VOM ZUSAMMENHANG ZWISCHEN FLEISCH, KLIMAWANDEL UND WELTERNÄHRUNG

Rollen wir das Feld einmal von hinten auf: Die armen Länder sind die Hauptleidtragenden am Klimawandel. Sie werden von Stürmen sowie Fluten heimgesucht und können sich danach keinen Wiederaufbau leisten. Dürre und Hitze kommen in ohnehin schon von Trockenheit geplagten Ländern am meisten zum Tragen. Dem gesellen sich Heuschreckenplagen, Unwetter mit starken Regenfällen und Hagel sowie unberechenbare Kälteeinbrüche hinzu. Es geht hier also um Wetterphänomene, die kein Bauer der Welt gerne über seine Äcker ziehen sieht. Im Zuge der globalen Erwärmung treten aber genau solche Phänomene in immer kürzeren Abständen auf.

Während derartige Wetterkapriolen für uns in Deutschland eher unangenehm und selten gravierend sind, führen sie in anderen Erdteilen unvermeidlich zu Hunger, Unterernährung, Krankheit und Tod. Können unsere Bauern in trockenen Jahren die Bewässerung ihrer Felder hochfahren oder nach Unwettern auf Unterstützung vom Staat hoffen, ist ein Familienvater in Äthiopien vollkommen hilflos. Ist seine Ernte verdorrt, von Heuschrecken aufgefressen oder von einem Sturm niedergedrückt, müssen er und seine Familie ohne diese Nahrungsquelle auskommen. Die Welternährung hängt in erheblichem Umfang vom Wetter und somit vom Weltklima ab.

Die Veränderungen weltweiter Wetterphänomenen werden gemeinhin unter dem Titel „Klimawandel“ subsumiert. Eine, wenn nicht sogar die größte Ursache für den Klimawandel, ist in der Haltung von Nutztieren zu finden. So schätzt das World Watch Institute, dass mindestens die Hälfte der weltweiten Treibhausgase aus der Herstellung von tierischen Produkten stammen. Sehr viel konservativere Schätzungen wie die der FAO gehen von immerhin 15 % aus. Das wären immer noch mehr Treibhausgase als der gesamte Verkehr aus Schiffen, Flugzeugen, Autos und Lkws produziert. Diese unfassbaren Prozente lassen sich auf ein einfaches Stück Fleisch herunterrechnen. So hat ein Kilogramm Rindfleisch einen CO2-Fußabdruck von 34,6 kg. Zum Vergleich: 100 km Autofahrt in einem Mittelklassewagen produziert nicht einmal halb so viel CO2. In die 34,6 kg sind auch die unterschiedlichen Wirkungsgrade der bei der Viehhaltung entstehenden Treibhausgase Methan und Stickstoffdioxid eingerechnet. Alles in allem kann eine vegane Ernährung gegenüber der herkömmlichen Vollkost bis zu 70 % CO2 einsparen.

Unter diesem Aspekt machen selbst Erfindungen wie Biodiesel keinen Sinn mehr. Mit ihm wird kaum CO2 gespart, während wertvolle Nahrungsmittel einfach verbrannt statt gegen den Hunger in der Welt eingesetzt werden. In einer Kilokalorie Rindfleisch stecken übrigens um die 40 kcal fossile Brennstoffe. In einer Kilokalorie Milch immerhin noch 14 kcal. Eine Kilokalorie Getreide bedarf hingegen nur 2,2 kcal aus fossilen Brennstoffen. Eine Ernährung mit Fleisch und anderen tierischen Produkten ist also in jeglicher Hinsicht Gift für unser Klima. Dem ist nur eine vollwertig pflanzliche Ernährung entgegenzusetzen, die nicht nur umweltfreundlicher und fairer gegenüber der Weltbevölkerung ist, sondern obendrein die eigene Gesundheit fördert.

Wie wir vorhin bereits erwähnt haben, bedarf es zur Herstellung der Futtermittel für die Nutztiere dieser Welt einer intensiven Landwirtschaft. Die Äcker werden geschunden und ausgelaugt, um möglichst viel Getreide, Mais und Soja hervorzubringen. Hierbei gehen die wertvollen Bakterien in der Humusschicht zugrunde. Doch gerade diese hätten das Potenzial, CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen und zu speichern. Mit jedem Pflügen wird also nicht nur Treibhausgas freigelassen, sondern zugleich die Speicherkapazität der Erde herabgesetzt. Gleiches gilt für die Waldflächen, die Weiden und Ackerflächen weichen müssen. Wälder sind enorme CO2-Speicher und zudem für die Verteilung des Wassers über die Kontinentalflächen unersetzlich. Je mehr Waldflächen im Rahmen der Nutztierhaltung abgeholzt werden, umso gravierendere Auswirkung hat das auf das Weltklima. Aktuell wird alleine im südamerikanischen Regenwald eine Fläche von gut 30 Fußballfeldern pro Minute gerodet, um dem steigenden Bedarf an Weideflächen und Anbauflächen für Futter nachzukommen. Du siehst also, dass eine vegane Ernährung dem Klimawandel und dem damit einhergehenden Hunger in der Welt ganz klar etwas entgegenzusetzen hat.

ZERSTÖRUNG DER REGIONALEN LEBENSMITTELVERSORGUNG

Eine Sparte der biologischen Lebensmittelerzeugung setzt in den vergangenen Jahren vermehrt auf regional produzierte Nahrungsmittel. Dabei stehen eine Förderung der Landwirtschaft vor Ort, Transparenz in der Erzeugung sowie kurze Transportwege im Zentrum der Überlegungen. Dieses Prinzip der Regionalität war vor einigen Jahrzehnten weltweit der Standard und ist es bis heute in vielen Gegenden dieser Welt. Die Welternährung baut darauf, dass Menschen sich in ihrem jeweiligen Lebensraum selbst ernähren können. Doch genau dem steht der Verzehr von tierischen Produkten entgegen. Dabei ist es unerheblich, ob die jeweiligen Völker traditionell eine vollwertig pflanzliche Ernährung pflegen oder Lebensmittel tierischen Ursprungs auf dem Menü stehen haben. Nutztierhaltung und Fleischkonsum zerstören die Möglichkeiten regionaler Versorgung auf unterschiedlichen Ebenen.

Entzug der regionalen Nahrungsgrundlage

Damit in den Industrienationen ausreichend Fleisch und andere tierische Produkte zur Verfügung stehen, wird Menschen in Entwicklungsländern ihre Nahrungsgrundlage streitig gemacht. Einerseits fällt dem enormen Fleischbedarf das Jagdwild zum Opfer. Andererseits wird zugunsten der Viehzucht die Natur mit den darin befindlichen Nahrungsquellen zerstört.

Ein dramatisches Beispiel unserer Zeit sind die Piraten Somalias. Noch vor 30 Jahren waren die meisten der Piraten Fischer an der Küste von Ostafrika. Während politischer Unruhen Anfang der 90er-Jahre nutzten Fischflotten aus verschiedenen Industrienationen das Chaos für sich aus. Sie fischten das Meer vor der somalischen Küste in kürzester Zeit leer. Das bedeutete Hunger und Unterernährung für einen weiten Teil der Küstenbevölkerung in der ohnehin strukturschwachen Region. Doch sind nicht immer politische Unruhen nötig, um kleinen Fischern den Fang vor der Nase wegzuschnappen. Fischfangflotten können ganz legal Lizenzen erwerben, um in bestimmten Gebieten fischen zu dürfen. Ob dadurch der Bestand an Fischen für die Bevölkerung vor Ort gefährdet wird, interessiert nicht.

Ein weiteres Beispiel, in dem ganzen Dörfern schlichtweg ihr Lebensraum und damit ihre Nahrungsquelle genommen wird, ist die Rodung des Regenwaldes. Wir haben bereits erwähnt, dass täglich gigantische Flächen Regenwald vernichtet werden, um Weiden und Äcker anzulegen. Dass dieser Regenwald die Heimat von Menschen darstellt, wird leider oft vergessen zu erwähnen. Trotzdem konnte im vergangenen Jahrzehnt das Volk der Awá einige Aufmerksamkeit erregen. Ihr Lebensraum ist ein Teil des Regenwaldes in Brasilien. Nach einigem Aufruhr beschloss die brasilianische Regierung, Holzfällern und Viehzüchtern den Zugang zu ihrem Territorium zu untersagen. Unter dem aktuellen Präsident Bolsonaro soll die Verteidigung der Gebiete der indigenen Bevölkerung nicht mehr konsequent durchgesetzt werden. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die Menschen ohne Heimat und ohne Nahrungsquellen dastehen.

Ex- und Import von Nahrungsmitteln

Bei AnnaTara sehen wir in dem umfassenden Im- und Export von Lebensmitteln ein großes Problem für die Welternährung. Oft fehlt Leuten, die keine vollwertig pflanzliche Ernährung verfolgen, das Bewusstsein darüber, dass wir die Unmengen an Fleisch, Milch und Eiern ohne Zufuhr von außen gar nicht produzieren könnten. Die deutschen Viehbauern beziehen allem voran Soja aus Südamerika, um die sogenannte „Eiweißlücke“ zu schließen. Diese „Lücke“ besteht darin, dass das Nutzvieh einen großen Bedarf an Eiweiß hat, den die Feldfrüchte aus Deutschland nicht decken können. Wie auch andere Nationen importieren wir Lebensmittel aus ärmeren Gegenden der Welt, um hier Fleisch, Milch und Eier herzustellen. Diese Nahrung fehlt vor allem der untersten sozialen Schicht in den Exportländern. So leben ungefähr 80 % aller Kinder weltweit, die unter Hunger leiden, in Ländern, die mehr Nahrung produzieren als sie für ihre eigene Bevölkerung bräuchten.

Dieser Fakt mutet paradox an. Zur Erklärung muss der wirtschaftliche Profit durch die Produktion von Futtermitteln betrachtet werden. Es ist schlicht lukrativer, für deutsche Kühe Soja anzubauen als für die einheimische Bevölkerung Weizen oder Mais. Dabei werden für ein Kilogramm Rindfleisch rund 50 Quadratmeter Ackerfläche benötigt. Diese Fläche geht der Nahrungsmittelproduktion für den einheimischen Markt verloren. In Guatemala leiden beispielsweise 75 % aller Kinder unter 5 Jahren an Unterernährung. Dennoch exportiert das Land jedes Jahr rund 17.000 t fertiges Rindfleisch in die USA. Das ist eine Ungerechtigkeit sondergleichen und wäre völlig unnötig, wenn die vegane Ernährung in Amerika Standard wäre.

Auch Deutschland müsste anderen Ländern keine Lebensmittel abkaufen, wenn wir uns hier an eine vollwertig vegane Ernährung gewöhnen würden. Die tatsächlich importierten Mengen liegen derzeit in schwindelerregender Höhe. So wurden im Wirtschaftsjahr 2017 / 2018 1.570.000 t Körnermais, 3.341.000 t Soja und 1.587.000 t Raps aus Übersee und anderen Gegenden der Welt zu uns ins Land geschifft, um unser Nutzvieh zu ernähren. Abhängig von der Wetterlage in den einzelnen Jahren können diese Werte nach oben oder unten schwanken. Wie das Wetter in den Produktionsländern aussieht und wie viel Nahrung für die einheimische Bevölkerung auf dem übrigen Land angebaut werden kann, interessiert kaum.

Doch nicht nur Importe können die Versorgung mit Lebensmitteln in anderen Ländern gefährden. Gleichermaßen tragen die Exporte aus Deutschland und der EU dazu bei, die regionalen Nahrungsmittel zu verdrängen. Deren Produzenten werden in den Ruin und die Arbeitslosigkeit getrieben. Das ist zum Beispiel der Fall bei Abfallprodukten aus der Fleischherstellung. Hierzulande sind Innereien nicht sonderlich begehrt. Sie sind aber zwangsläufig vorhanden und die Entsorgung ist keineswegs kostenlos. Daher exportieren Fleischproduzenten sie in Entwicklungsländer, wo sie billig verkauft werden. So billig, dass einheimische Hersteller von Fleisch und Innereien nicht mehr konkurrenzfähig sind. Sie müssen aus Mangel an Kunden ihre Produktion aufgeben. Dadurch gehen Arbeitsplätze verloren und die Länder machen sich bei der Versorgung mit Lebensmitteln von Deutschland oder anderen Ländern der EU abhängig. Im Bereich der Milch und Milchprodukte gibt es vergleichbare Szenarien, die den ärmeren Nationen ihrer Autarkie berauben.

Eigentlich sollten Zölle solche Billig-Importe verhindern. Doch wurden in vielen afrikanischen Ländern die Zölle auf die besagten Lebensmittel aufgehoben. Solche Abkommen sind der Lobby der überaus mächtigen Ernährungsindustrie der EU zuzuschreiben. Sie stellt den größten verarbeitenden Sektor und zugleich den größten Arbeitgeber in Europa dar. Mit der Entscheidung für eine vollwertig pflanzliche Ernährung setzt Du auch hier ein Zeichen für mehr Gerechtigkeit in der Welternährung. Denn wo kein Fleisch gegessen wird, fallen auch keine Abfallprodukte für den Export an.

VEGANE ERNÄHRUNG GEGEN DEN HUNGER IN DER WELT

Nun weißt Du, in welchem Zusammenhang der Bedarf nach Fleisch und anderen tierischen Produkten mit dem Hunger in der Welt steht. Nutztiere zu halten und zu ernähren bedeutet zugleich Raubbau an der Natur aller Herren Länder zu betreiben. Menschen müssen hungern, damit andere Burger, Steak oder Omelett essen können. Im Umkehrschluss verringert jeder Einzelne von uns, der sich für eine vollwertig pflanzliche Ernährung entscheidet, den Hunger in der Welt. Bei der Produktion von Fleisch, Milch und Eiern geht zu viel Energie verloren, die dann auf den Tellern der Weltbevölkerung fehlt.

Studien und Experten kommen einhellig zu dem Schluss, dass allein eine vegane Ernährung die Versorgung aller Menschen auf unserem Planeten sicherstellen kann. Hochrechnungen gehen dabei von einem täglichen Energiebedarf von rund 2700 kcal aus. Müssen im Jahr 2050 ungefähr 10 Milliarden Menschen mit dieser Energiemenge versorgt werden, wäre das ohne Probleme mit den heute bereits erschlossenen landwirtschaftlichen Flächen machbar! Es hängt alleine davon ab, wie wir uns ernähren. Manche Experten sprechen sogar von vier Milliarden Menschen, die heute schon zusätzlich zur existierenden Weltbevölkerung ernährt werden könnten, wenn die Lebensmittelproduktion nur komplett auf eine vegane Ernährung eingestellt würde.

 

So sagt Dr. Bello, der Direktor des Institute for Food and Development Policy ganz klar: „Es gibt genug Nahrung auf der Welt für alle.“ Umso tragischer ist es, dass so viele Kinder und Erwachsene jeden Tag verhungern. Das ist eine grausame Art zu sterben. Eine vegane Ernährung ist hingegen ist vielfältig, gesund, lecker und erleichtert sozusagen als Bonus Dein Gewissen.

SATT UND FRIEDEN ODER HUNGER UND KRIEG?

Du hast nun verschiedene Gründe erfahren, warum tierische Lebensmittel zu Hunger in der Welt führen. Das bringt ein drängendes Problem mit sich: Wer hungrig ist, sucht Nahrung. Je stärker die Unterernährung ausgeprägt ist, umso hemmungsloser werden verständlicherweise die betroffenen Menschen, Völker und Nationen bei ihrem Versuch, an Essen zu gelangen. Am Ende entscheidet die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln zwischen Krieg und Frieden.

Wie die Menschen in den von Hunger betroffenen Regionen auf den Mangel an Nahrungsmittel reagieren, hängt von dessen Ursache ab. In südamerikanischen Ländern beispielsweise versuchen sich die indigenen Bevölkerungsgruppen wie auch die Kleinbauern im Regenwald gegen die großen Agrarkonzerne zur Wehr zu setzen. Doch selbst verzweifelt aggressive Versuche, gegen diese Übermacht anzukämpfen, sind zum Scheitern verurteilt. Einzig Lösungen auf politischer Ebene wären hier denkbar. Doch die Vieh-Lobby hat die Regierungen fest in der Hand.

Ähnlich machtlos sind die Einwohner afrikanischer Länder gegen die Einfuhr von europäischen Schlachtabfällen. Bisher wurde noch keine Regierung gestürzt, weil sie die Zölle auf bestimmte Lebensmittel aus der EU gesenkt hat. Mit den wirtschaftlichen Konsequenzen steht die Bevölkerung alleine da. Die Bedeutung der Abhängigkeit von europäischen Großkonzernen wird sich allerdings erst in Zukunft zeigen. Setzt die Lieferung der billigen Fleisch- und Milchprodukte einmal aus, werden die unzureichenden Kapazitäten zur Selbstversorgung deutlich zum Tragen kommen.

Anders verhält es sich bei Regionen, die unter den Folgen des Klimawandels leiden. Wo aufgrund extremer Wetterereignisse wiederholt keine Ernte eingebracht werden kann, suchen die Menschen nach Auswegen. Naheliegend ist die Migration in eine andere Region mit besseren Wetterbedingungen. Noch ist es nicht soweit, doch in absehbarer Zeit kann der Klimawandel ganze Nationen dazu zwingen, sich nach neuem Grund und Boden umzusehen. Dass dann andere Länder bereitwillig in Frieden ihre Ressourcen teilen werden, darf bezweifelt werden.

Wenn es zum Äußersten kommt, wird im Krieg über die Verteilung der verbliebenen fruchtbaren Regionen entschieden werden.

Somit ist die Frage, ob Du Dich vollwertig pflanzlich ernährst oder nicht, auch eine Frage über Krieg oder Frieden auf unserer wunderschönen Erde. Wir haben es selbst in der Hand.

Im Falle der lebenswichtigen Ressource Wasser sind wir schon ein Stück näher am Abgrund. Allen führenden Köpfen dieser Welt ist mittlerweile klar, dass die Wasservorräte eines Landes über dessen Zukunft entscheiden. Chinas Interesse am tibetischen Hochland rührt zum Beispiel unter anderem daher, dass dort alle wichtigen Flüsse Asiens entspringen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang aber keineswegs nur von Trinkwasser. Wichtig ist Wasser vor allem für die Landwirtschaft, um Nahrung zu produzieren. Schon heute werden ungefähr 17 % der weltweiten Ackerflächen künstlich bewässert. Von diesen Flächen stammen aber 40 % aller Erträge! Schätzungen gehen davon aus, dass 2030 rund zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser mehr haben werden. Da erscheint es umso paradoxer, dass für die Herstellung von einem einzigen Kilogramm Rindfleisch rund 15.000 l Wasser verbraucht werden.

Wir sehen, wie die Gletscher und damit wichtige Wasserspeicher der Erde immer weiter abschmelzen. Du kennst Bilder von Dürrekatastrophen und hast bestimmt auch in Deutschland schon mitbekommen, wie schlecht die Ernten in den vergangenen Jahren wegen Regenmangels ausgefallen sind. Ganze Seen trocknen aus, weil kein Wasser mehr nachkommt. Sieh Dir nur einmal an, wie der Aralsee in den letzten 20 Jahren zu kleinen Pfützen zusammengeschrumpft ist. Bei der Frage nach Wasser geht es definitiv ums Überleben und damit um Krieg und Frieden. Eine vegane Ernährung geht sehr sparsam mit der Ressource Wasser um. Zudem trägt eine vollwertig pflanzliche Ernährung nicht zum Hunger in der Welt bei. Es scheint also verhältnismäßig einfach, diese Kriege von morgen heute schon zu verhindern.

ANNATARA FOUNDATION

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